Pressespiegel: Der russländische Teilabzug aus Syrien ist großes Thema in den Medien


Pressespiegel: Der russländische Teilabzug aus Syrien ist großes Thema in den Kommentaren der Medien. Der Meinungstrend


  • „Russland zieht die meisten seiner Soldaten zurück. Klingt unlogisch, ist aber strategisch klug“, kommentiert Markus Lippold auf „n-tv“. Obgleich ein Ende des Krieges nicht absehbar sei, habe der russländische Präsident Vladimir Putin seine Mission erfüllt – die habe letztendlich darin bestanden, das Regime seines Verbündeten Machthabers in Damaskus, Bashar Al-Assad zu stärken. Darüber hinaus bleibe Putin auch weiterhin in Syrien präsent und könne „jederzeit wieder aus der Luft eingreifen“. Russlands Operation habe trotz eigener Interessen paradoxerweise den Verhandlungsprozess in Syrien beschleunigt und eine Waffenruhe erst ermöglicht – der Rückzug ebne nun den Weg zu einer langfristigen Lösung, auch wenn Putin weiterhin nicht als ein „Friedensengel“ zu bezeichnen sei.


  • „Dass Russland ausgerechnet jetzt sein Engagement zumindest zurückfährt, spricht dafür, dass der Kampf gegen den IS für Putin nicht das wichtigste Motiv war“, argumentieren Julia Smirnova und Alfred Hackensberger auf „Welt Online“. Vielmehr wäre es Putin darum gegangen, die Position Assads zu schützen und Russland als geopolitische Macht zu positionieren, die auf Augenhöhe den Vereinigten Staaten operiere. Ein signifikantes Zurückdrängen des IS wäre dagegen nie erreicht worden, zudem würden Menschenrechtsorganisationen viele zivile Opfer beklagen. Mit dem Rückzug ginge es Putin nun nur darum, weitere Kosten und Imageschäden zu vermeiden. Smirnova und Hackensberger vergessen hier jedoch zu betonen, dass es sich hierbei um einen Teilrückzug der russischen Streitkräfte handelt und weiterhin russische Militärstützpunkte in Syrien unterhalten werden, von denen Angriffe auf den selbsternannten „Islamischen Staat“ erfolgen.


  • „Zynischer geht nicht“, findet Andreas Schwarz im österreichischen „Kurier“. Putin verkaufe seinen Rückzug als Friedenssignal, obwohl er mit seinen Luftschlägen den Krieg selbst stetig verschärft habe. Das Ergebnis des Einsatzes sei ein nur wenig dezimierter „Islamischer Staat“ und ein gestärktes Assad-Regime, auf dessen Konto Hundertausende Tote und Flüchtlinge gingen. Putin stilisiere sich derweil als Friedensbringer und sonne sich in seinem unbelasteten Gewissen. In seinem zutreffenden Kommentar erwähnt Schwarz jedoch nicht, dass durch den russländischen Einsatzes ein – wenn auch vorläufiger – Waffenstillstand zwischen dem Assad-Regime und den sogenannten moderaten Rebellen erziehlt werden konnte.


  • „Mit Luftschlägen alles platt machen – und dann ab nach Hause. Um den Wiederaufbau dürfen sich dann die Europäer mit ihren Milliarden kümmern“ – so lautet das Fazit von Florian Willershausen in der „WirtschaftsWoche“ und erwähnt nicht, dass auch die europäischen Länder viel zu der tragischen Lage in Syrien beigetragen haben. Aus Putins Sicht sei der Rückzug ein taktisch kleverer Schachzug: Die kurze Operation habe die Stabilisierung des Assad-Regims und eine Demonstration Russlands als militärische Macht ermöglicht, ohne das befürchtete „zweite Afghanistan“ einzuleiten. Nun könne Putin auf seinen Schützling Assad Druck bezüglich anstehender Friedensverhandlungen ausüben. Dennoch habe die Operation einen „fürchterlich hohen Blutzoll“ gekostet – von russländischen Ideen zur Stabilisierung des Landes gebe es bislang keine Spur.


  • „Ein Signal, das den schwierigen Verhandlungen bei den Friedensgesprächen in Genf Schub verleihen könnte“,schreibt Michael Clasen in seinem Kommentar in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Überraschend habe der russländische Staatschef einen Rückzug seiner Truppen angeordnet und damit guten Willen gezeigt. Nun liege es an Europa und den Vereinigten Staaten, Kompromissbereitschaft zu zeigen und ein Abkommen auszuhandeln – mit Assad, ohne den ein Frieden in Syrien schlichtweg nicht möglich sei. Vor allem die Vereinigten Staaten müssten über ihren Schatten springen und mit Russland kooperieren, damit ein Frieden in Syrien geschaffen werden könne.