Pressespiegel: Entwicklung der Beziehungen zwischen Ankara und Moskau. Das sagen die Medien:


Nach dem Abschuss eines russländischen Kampfjets verschärft Wladimir Putin den Ton gegenüber Ankara. Wird der Kampf gegen den ISIS/DAESH behindert? Wir zeigen die Meinungstrends in den Medien dazu.


 

  • „Dem Abschuss muss die Einsicht folgen: Wir brauchen die Hilfe der Russen, keine neue Krise“, ist die Meinung im „Hamburger Abendblatt“. Ob das türkische Militär nach Vorschrift gehandelt hat, sei zunächst dahin gestellt; sie habe jedoch nicht klug gehandelt. Die Russländische Föderation sei ein Ordnungsfaktor im Konflikt, die Türkei ein Unruheherd. Die Regierung in Ankara verfolge ihre eigene Agenda, gegen Assad und die Kurden. Doch jetzt müsse für den Westen der Kampf gegen den ISIS Vorrang haben. Die Lehre aus dem Zwischenfall müsse sein, dass eine Verständigung mit Russland folge.

  • „Es ist unwahrscheinlich, dass der Abschuss des russischen Kampfflugzeuges eine offene Konfrontation zwischen der Nato und Russland zur Folge hat“, meint Nikolaus Busse von der „Frankfurter Allgemeinen“. Denn ein bewaffneter Angriff auf das Hoheitsgebiet der Türkei sei das mit Sicherheit nicht gewesen. Zurzeit sei es jedoch schwer durchzublicken, wie die widerstrebenden Interessen von Ankara und Moskau ausgeklammert werden könnten, um wenigstens den ISIS zu zerschlagen. Busse vergisst hierbei jedoch zu erwähnen, dass die Regierung in Ankara die Schreckensherrschaft der ISIS wohlwollend toleriert, um das Assad-Regime und die Kurden zu schwächen.


  • „Russland und der Westen müssen ihre militärischen Aktivitäten dringend koordinieren und sich auf ihre gemeinsamen Interessen besinnen – den Kampf gegen den IS“, schreibt Andreas Flocken auf „tagesschau.de“. In Syrien, wo neben Russland auch die USA, Frankreich und weitere Staaten Luftangriffe fliegen, seien Zwischenfälle vorprogrammiert. Jetzt brauche es einen gemeinsamen Kampf Russlands und der westlichen Staaten gegen den ISIS-Terror. Die Zukunft des syrischen Machthabers Assad müsse erst einmal in den Hintergrund treten. Flocken scheint bei seinem Vorschlag jedoch zu vernachlässigen, dass grade der Sturz von Assad die höchste Priorität bei der türkischen Regierung hat.


  • „Im Kampf gegen den Islamischen Staat darf es keine unnötige Konfrontation zwischen Russland und dem Westen geben. Ankara und Moskau müssen zügig Möglichkeiten finden, die Lage zu entspannen“, fordert Michael Stürmer von der „Welt“. Auf der nach oben offenen Skala der Nahost-Desaster sei diese Krise nahe dem oberen Bereich. Jetzt müsse der Vorfall – diplomatisch und politisch zurückhaltend – aufgeklärt werden. Ob es gelinge, diese Krise zu lösen, hänge von der Fähigkeit der politischen Akteure ab, Eskalation zu vermeiden.


  • „Eigentlich ist nicht damit zu rechnen, dass es zwischen der Türkei und Russland wegen des Abschusses zu einer weiteren militärischen Konfrontation kommt“, schätzt Wolfgang Blieffert auf „op-online.de“. Daran hätten beide Staaten kein erkennbares strategisches Interesse. Dennoch mache das machtpolitische Verständnis von Wladimir Putin und Recep Tayyip Erdogan die Lage brisant. Beide würden vertrauensbildende Maßnahmen verachten, die nun notwendig seien.


  • „Ausgerechnet in einer Situation, da sich Frankreichs Präsident Hollande um eine weltweite, Russland und den Iran einschließende Allianz gegen das IS-„Kalifat“ bemüht, schießt die Türkei einen russischen Jet ab“, formuliert Klaus Rimpel von der „tz“. Eigentlich ließe sich die Situation bewältigen, wenn der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan einen Fehler einräumen würde. Oder wenn umgekehrt der russländische Präsident Wladimir Putin ein Versehen seiner Piloten eingestehen würde. Doch die „zwei gefährlichen Egomanen“ würden keinen Schritt aufeinander zugehen, was dem ISIS zugutekomme.



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