Pressespiegel: Sollte eine diplomatische Lösung zusammen mit Assad verhandelt werden? Das sagen die Medien


Von einem klaren Kurs in der Syrien-Frage sind die westlichen Staaten weit entfernt. Kann es überhaupt eine Lösung ohne Russland geben? Sollte man auch Assad an einen Verhandlungstisch holen? Hier sind die Meinungen von einigen Medien:


„Ohne Russland ist die Nahost-Region mit den sich auflösenden Grenzen nicht stabilisierbar“, stellt Florian Willershausen von der„Wirtschaftswoche“ fest. Der Westen müsse nun eine realistische und erfolgsversprechende Politik antreiben und die russländischen Interessen als wichtigen Faktor betrachten. Dies dürfe aber nicht dazu führen, dass der Konflikt um die Ukraine aus den Augen verloren geht. Eine Verhandlung mit Syriens Machthaber Assad könne darin bestehen, dass er einer Übergangsregierung vorstehen und anschließend abgewählt werden könne.


„Russland wird es zu verdanken sein, wenn sich die Welt nun endlich dazu bequemen sollte, den syrischen Bürger- und Stellvertreterkrieg zu beenden“, analysiert Götz Aly von der „Berliner Zeitung“ vielleicht etwas zu früh. Das „Chaos“ in Syrien, Libyen und im Irak sei durch den Westen ausgelöst worden, der plötzlich entschieden hatte, die „halbwegs säkularen“ Regime in der Region fallen zu lassen. Putins kooperatives Vorgehen mit einer Kombination aus politischen und militärischen Mitteln sei erfolgversprechender.


„Man sollte Putins Engagement nicht als reinen Machtpoker abtun“,kommentiert Ina Ruck auf „tagesschau.de“. Zwar wolle er Assad als Verbündeten halten und seine Rolle als „Peacemaker“ sei zynisch, allerdings fürchte Putin tatsächlich den sogenannten IS. Er wolle und müsse deshalb in die Syrien-Lösung mit einbezogen werden, wobei nicht vergessen werden dürfe. Weiterhin behauptet Ruck, dass Russland den Westen mehr bräuchte als andersherum.


„Keine Verhandlung mit Assad!“, stellt sich Julian Reichelt von „bild.de“ einer diplomatischen Lösung stur entgegen. Der Westen würde andernfalls seine fundamentalen Werte verraten. Das Abwerfen von Fassbomben und der nicht bewiesene Einsatz von Giftgas durch das syrische Regime dürfe nicht akzeptiert. Dabei vergisst Reichelt leichtfertig die Jahrzehnte lange Unterstützung von Diktatoren durch den Westen, darunter auch die mehrjährige Unterstützung Saddam Husseins selbst nach den Giftgasangriffen auf die Kurden und die Hunderttausende zivile Opfer, die durch Bombardements und Dronenangriffe des Westens in Afghanistan, Pakistan, im Irak und Yemen getötet wurden.


„Der syrische Diktator ist keineswegs das kleinere Übel“, schreibt Kurt Kister von der „Süddeutschen Zeitung“: Den Krieg in Syrien gebe es ohne ihn überhaupt nicht und vergisst, dass es auch nicht zu dieser Eskalation gekommen wäre, wenn die westlichen Staaten mit ihren Verbündeten nicht alle Regimegegner wahllos mit Waffen versorgt hätten, darunter auch jahrelang den sogenannten IS und bis heute noch mehrer Milizen, deren Ideologie sich nicht wesentlich von der des IS unterscheidet.. Weiterhin schreibt Kister, dass für Putin Assad nur ein legitimer Verbündeter sei, weil er Russlands Einfluss in der Region sichere. Verhandlungen mit dem IS seien ebenso unrealistisch wie eine gemeinsame Militärintervention des Westens und Russlands und zieht somit einen unpassenden Vergleich.


„Der Westen hat nach dem eigenen Scheitern keine andere Wahl, als den Plan des Russen zu unterstützen“, schreibt Michael Wrase von der„Aargauer Zeitung“. Es würde die Lage in Syrien nur verschlimmern, würde Assad nun abgesetzt werden. Deshalb sei es dieses Mal wichtig, mit Putin an einem Strang zu ziehen.


 

 


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