Reaktionen auf den neuen Bahnstreik


Eine Woche seit dem Ende des jüngsten und bislang längsten Bahnstreik der Lockführer ist vergangen. Nun kündigt die Lokführergewerkschaft GDL einen neuen Ausstand bei der Bahn an. Dies stößt in der Bevölkerung nicht nur auf Zustimmung; im Netz lassen sich viele wütende Kommentare von aufgebrachten Nutzern lesen, die nur wenig bis kein Verständnis für dieses legitime Druckmittel von Gewerkschaften aufbringen. Doch auch die Streiks der Piloten, Erzieher und Briefträger haben in der Gesellschaft für Aufregung gesorgt. Allerdings richtet sich diese Aufregung meistens gegen die falschen Leute: nämlich gegen Arbeitnehmer, die ihr Arbeitsverhältnis verbessern wollen und eigentlich mit der Solidarität aus der breiten Bevölkerung rechnen sollten.

Einseitige Schuldzuweisung

Die Schuld für die Streiks wird oft allein auf die GDL geschoben, also auf die Arbeitnehmer, die mit legitimen mitteln für ihre Rechte einstehen und nicht gegen die Arbeitgeber, die die Bedingungen dafür geschaffen haben. Es scheint vergessen zu werden, dass die Bahn in den letzten acht Streikperioden nicht auf die Forderungen der GDL reagiert hat. Solange die Deutsche Bahn den Forderungen nicht entgegen kommt, bleibt den Lockführen nichts anderes übrig als aussagekräftige Streiks, die wohl zu den „harmlosesten“ in der EU gehören.

Forderungen

Während die Bahn die Lohnerhöhung von 5% für die Lockführer nicht akzeptiert, hat sie die Bonuszahlungen an die Bahnvorstände um 174% erhöht, in absoluten Zahlen eine Erhöhung von 1,9 Millionen auf 5,2 Millionen Euro. Zu den Forderungen der GDL gehört aber nicht nur eine Lohnerhöhung für Lockführer. Der Hauptstreitpunkt zwischen der GDL und der Bahn ist die Forderung der GDL gleichermaßen faire Arbeitsbedingungen für alle Angestellten und Leiharbeiter der privatisierten Deutschen Bahn zu schaffen, die in der staatlich geführten Phase der Bahn für die Bahnbeamten selbstverständlich waren und nun erst wieder errungen werden müssen. In der heutigen Zeit, in der immer mehr Arbeitnehmer sich mit sogenannten Dumpinglöhnen zufrieden geben müssen, sollte man erwarten, dass die Gesellschaft sich geschlossen hinter diejenigen stellt, die von ihrem Streikrecht Gebrauch machen.


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