Flüchtlingsdrama – Nach der Katastrophe im Mittelmeer


Flüchtlingsdrama

170.000 Menschen aus Afrika und Vorderasien sind im vergangenen Jahr über das Mittelmeer an die italienische Küste geflohen. In ihren Herkunftsorten herrschen Krieg, Vertreibung, Hungersnot und Unterdrückung, denen sie entkommen wollten. Es ist traurig, dass erst durch eine Katastrophe, die bis zu 900 Menschen das Leben kostete, die Haltung einiger in der Flüchtlingsdebatte verändert. Seit Anfang 2015 sind Schätzungsweise 1800 Menschen im Mittelmeer ertrunken. Dennoch werden im Netz noch immer viele Kommentare geschrieben, die Abneigung und Hass gegen Flüchtlinge zum Ausdruck bringen. Dazu später mehr.

Unzureichende Beschlüsse im EU-Sondergipfel

Nun hat sich auch der EU-Sondergipfel in Brüssel entschieden, Maßnahmen zu ergreifen. Dazu zählt unter anderem die Entsendung von Kriegsschiffen, um in Seenot geratene Menschen zu retten und die Zerstörung der Boote der Menschenschleuser, damit diese künftig keine Menschen auf diese gefährlichen Überfahrten mitnehmen können. Der britische Premierminister David Cameron betonte, dass das Vereinigte Königreich keine der geretteten Menschen aufnehmen werde, sondern dass diese an der nächstgelegenen sicheren Küste den Behörden übergeben werden; in diesem Fall in Italien. So wird deutlich, dass nur die Symptome der Flüchtlingswellen bekämpft werden sollen. Internationale Organisationen – darunter auch die UN – halten diese Maßnahmen für unzureichend, da diese hauptsächlich das Ziel hätten, die Ankunft der von Flüchtlingen zu erschweren.

Verteilung der Asylbewerber in den EU-Staaten

Die EU-Staaten müssten eine gemeinsame Lösung für die Aufnahme von Flüchtlingen anstreben. Es ist zwar richtig, dass die Bundesrepublik und Schweden zusammen fast die Hälfte der in die EU fliehenden Menschen aufnehmen und dass die Bundesrepublik in absoluten Zahlen europaweit die meisten Flüchtlinge aufnimmt, jedoch ändert sich das Bild, wenn man die Zahl der Asylbewerber in Verhältnis zu der Bevölkerung setzt: Dabei kommt die Bundesrepublik auf nicht einmal einen Asylbewerber pro 1.000 Einwohner. Angeführt wird diese Tabelle von Malta mit fast fünf Asylbewerbern pro 1.000 Einwohnern gefolgt von Schweden. Neben einer Verteilung nach der Einwohnerzahl gebe es auch ein Modell, dass die Wirtschaftskraft der EU-Staaten mitberücksichtigt; nach diesem Prinzip werden Asylbewerber innerhalb der Bundesrepublik auf die Bundesländer verteilt.

RTEmagicC_Asyl_Europa_Zahlen_2012.pdf

Aufnahmeländer Weltweit

Laut UNHCR ist Pakistan, das 1,6 Millionen afghanische Flüchtlinge beherbergt, in absoluten Zahlen das größte Aufnahmeland weltweit. Weitere „große“ Aufnahmeländer sind der Libanon mit 1,1 Millionen Flüchtlingen, der Iran (982.000), die Türkei (824.000), Jordanien (737.000), Äthiopien (588.000), Kenia (537.000) und der Tschad (455.000). Nicht erwähnt wird die Autonome Region Kurdistan, die derzeit schätzungsweise 2 Millionen Flüchtlinge aus dem restlichen Irak und Syrien beherbergt. In Relation zu ihrer Einwohnerzahl haben Jordanien mit 116, der Libanon mit 187 und die Autonome Region Kurdistan mit 375 Flüchtlingen pro 1.000 Einwohnern die meisten Flüchtlinge aufgenommen und im Verhältnis zu ihrer Wirtschaftskraft tragen Äthiopien und Pakistan die größte Last.

Angriffe auf Asylbewerber nehmen zu

Betrachtet man diese Verhältnisse, ist die Intoleranz Asylbewerbern gegenüber – die bundesweit in manchen Teilen der Bevölkerung herrscht – noch absurder. Laut dem Bundeskriminalamt kam es im vergangenem Jahr bundesweit zu 162 Angriffen auf Unterkünfte für Asylbewerber. Es ist davon auszugehen, dass diese Straftaten rechtsextrem motiviert waren. Seit 2013 hat sich die Zahl dieser Angriffe verdreifacht. 2012 zählte das BKA noch 24 solcher Straftaten. Hinter diesen Zahlen verbergen sich nicht nur Sachbeschädigungen, sondern auch gefährliche Körperverletzungen und sogar Mord. Im letzten Quartal 2014 wurde fast täglich mindestens ein Angriff auf Asylbewerber gemeldet.


2 Gedanken zu „Flüchtlingsdrama – Nach der Katastrophe im Mittelmeer

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